Newsletter 04 2015
  Newsletter für Patienten, Ärzte, Therapeuten
Winter 2015/2016

 

 

 

Zur Behandlung einiger Gefäßerkrankungen werden von Fachärzten oft Kompressionsstrümpfe und/oder Kompressionstherapie-Geräte verordnet. Bei diesen Medizinprodukten handelt es sich um so genannte Hilfsmittel, die der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) unterliegen. Dazu hier wieder einige Informationen:

Kompressionstherapie-Geräte: AIK oder IPK ?

Die seit etwa 30 Jahren in Deutschland etablierte Therapieform wurde früher AIK genannt, was für apparative intermittierende Kompression steht. Vor einigen Jahren beschloss die federführende Fachgesellschaft DGP (Deutsche Gesellschaft für Phlebologie), nun die Bezeichnung IPK zu verwenden, um sich von der international als IPC (intermittend pneumatic compression) bekannten Therapieform nur durch einen Buchstaben zu unterscheiden. Es ist also beides richtig, wenn auch für herstellende und international vertretene Firmen inzwischen die IPK die allgemein verständlichere Benennung ist. Intermittierende pneumatische Kompression = IPK.

Hin und wieder liest man übrigens auch noch die uralte Bezeichnung „Wechseldruckgeräte“, und ganz laienhaft ist es, von „Lymphdrainage-Geräten“ zu sprechen – so etwas gibt es nicht.

Leitlinie zur Behandlung des Lipödems aktualisiert

Die bis vor wenigen Monaten gültige Leitlinie zur Behandlung des Lipödems stammte aus dem Jahr 1998. Seit Oktober 2015 gibt es die aktualisierte S1-Leitlinie Lipödem, die nun natürlich die IPK als Therapieform enthält, auch wenn sie dort noch mit der früheren Bezeichnung AIK benannt wird. Das mag daran liegen, dass neben Mitgliedern der DGP auch einige Ärzte anderer Fachgesellschaften beteiligt waren, deren Wissensstand zur IPK nicht immer aktuell ist.

In der Tabelle 6 auf der Seite 10 der Leitlinie ist zu sehen, dass die AIK/IPK geeignet ist zur Ödemreduktion, zur Schmerzlinderung und zur Reduktion der Hämatomneigung.

Eine Seite zuvor zeigt die Tabelle 5 weitere Differenzialdiagnosen inklusive Therapieoptionen. Hier wird deutlich, dass die AIK/IPK auch bei Lymphödemen, Lipödemen mit sekundärem Lymphödem, Lipödem mit begleitender Adipositas und Phlebödemen geeignet ist.

Die Einschätzung der Autoren, die AIK/IPK müsse immer ergänzend zur MLD (manuellen Lymphdrainage) eingesetzt werden, bezieht sich wohl auf die lymphologische Komponente. Bei reinen Lipödemen und Phlebödemen ist die MLD nicht sinnvoll, so die in ärztlichen Fachkreisen übereinstimmende Meinung.

Die IPK ist ein Bindeglied zwischen manueller Lymphdrainage und Kompressionsbandagierung/ -bestrumpfung. Sie ersetzt weder das eine noch das andere, kann aber beide anderen Therapieformen nicht nur bestens ergänzen, sondern auch – je nach Diagnose – mehr oder weniger überflüssig machen. Damit ist sie bei der Indikation entsprechenden Geräte- und Manschettenwahl das, was die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) verlangt: Ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich.